Dieses Jahr hat die Pandemie sämtliche Spielregeln für saisonale und branchenbezogene Entwicklungen im Handel durcheinander gewirbelt. Gerade im Handel ergab sich fast eine schwarz-weiß Situation zwischen Gewinner und Verlierer. Haben Baumärkte, Sportartikel- oder Lebensmittelhändler teilweise immens von Homeoffice und Lockdown profitiert, so gehörten Textil-, der KFZ-Handel oder Geschäfte die von der Tourismus-Frequenz leben zu den großen Verlierern. Für das Weihnachtsgeschäft wird dem Onlinehandel in diesem Jahr ein Umsatzplus von 20 Prozent prognostiziert. Aktueller Lockdown noch nicht eingerechnet. Bereits jetzt ist zu spüren, dass das Weihnachtsgeschäft früher losgeht und Konsumenten verunsichert sind, ob man wenige Wochen vor Weihnachten noch alles bekommt.

Und da kommt er wieder – der Black Friday. Der schwarze Freitag. Historisch war dieser Tag bei den Christen seit Jahrhunderten die Bezeichnung für einen besonderen Unglückstag. In der Finanzwelt historisch als Tag mit großen Kursverlusten. Später wurde dieser Begriff in den Vereinigten Staaten für den Tag nach Thanksgiving übernommen. Auf Thanksgiving, welcher immer auf den vierten Donnerstag im November fällt, folgt traditionell ein verlängertes Wochenende mit der Familie und somit auch der Start für das Weihnachtsgeschäft, der Black Friday. Ohne große Tradition haben wir in Europa diesen Brauch übernommen, wobei bei uns der Black Friday primär nur für seine Rabattaktionen bekannt ist.

Mehrere Analysen haben ergeben, dass diese Aktion kein Mehr an Kaufkraft schafft (woher soll sie auch kommen?). Es handelt sich lediglich um eine Umverteilung, sowohl zeitlich, als auch in Richtung Onlineanbieter, wobei insbesondere die großen Plattformen profitieren. Weiters werden oft sogenannte Mondpreise (überhöhte Preise) stark rabattiert. Eine andere Analyse zeigt, dass die Preisersparnis im Durchschnitt lediglich bei rund 6 Prozent liegt. Ist soviel Geiz wirklich geil?

Alles in Allem bringt es den meisten heimischen Anbietern weniger Geschäft, bei weniger Deckungsbeitrag. Egal ob Online oder Offline. Die Kaufkraft wandert bei geringeren Margen massiv zu den großen internationalen Plattformen, die ohnehin schon die großen Gewinner der aktuellen Pandemie sind. Dies wird durch Lockdown bedingte Geschäftsschließungen noch verstärkt.

Es wird an uns liegen, ob dieses Weihnachten ein Showdown für viele heimischen Betriebe und Arbeitsplätze wird, oder ob wir auf Solidarität und etwas weniger „Geiz ist geil“ setzen. Gerade in diesem Jahr gilt daher besonders: Ihr Kassabon ist ihr Stimmzettel!

Ganz im Sinne unserer Kampagne „Make a wish come true“ setzen wir daher in diesem Jahr auf Solidarität, Lichtblicke und Hoffnung und freuen uns wieder einen Teil unserer Weihnachtserlöse dem Kinderhospiz Sterntalerhof spenden zu dürfen.

wirtschaft.neu.denken | Eine Blogserie von Richard König

Bild: Refugium Prigglitz 2019, Alexander Ehrmann (l), Richard König (r), © rkmedia.at