Es ist eine Kunst, gut zu riechen. Der Duftpoet und prämierte Duftdesigner Paul Divjak widmet sich in seinem neuen Buch einer speziellen Geschichte des Dufts: der des parfümierten Mannes. Darin gibt er einen stilsicheren Überblick über herausragende Düfte vom 19. Jahrhundert bis heute. Anhand von fünf Parfums zeigt Divjak, was einen guten Duft ausmacht und wie man ihn erkennt.

Wir haben Paul Divjak, der vielen dank seiner Duftkomposition „Soul Splash“ für Saint Charles bereits bekannt ist, getroffen und ihn über Geruchssinn, Poesie, die Rolle von Parfüm und über herausragende Düfte befragt.

Im neuen Buch „Der parfümierte Mann“ schreibst Du, „Es ist eine Kunst, gut zu riechen“. Warum?

Duftkreationen können als Kunstwerke gesehen werden. Sie verfügen mitunter über eine ganz besondere Ausstrahlungskraft. Dem duftenden Menschen wurde früh schon etwas sehr Anziehendes, Begehrenswertes zugesprochen. Die Verwendung von Parfum kann zur Ästhetisierung des Alltags beitragen und vermag es, ihn sinnlich zu verzaubern. Die Schönheit eines Dufts, sein ureigener Charakter und seine Qualität können angesichts eines Zuviel allerdings unvermittelt Zeichen der Impertinenz und des Vulgären setzen. Die richtige Dosierung entscheidet über Anmut oder Zumutung.

Du beschreibst Dich selbst als „Duftpoet“. Was hat der Geruchssinn mit Poesie zu tun?

Die Poesie der Moleküle, die Wirkmächtigkeit des Flüchtigen stellt für mich seit meiner Kindheit ein begeisterndes Faszinosum dar. Das Olfaktorische scheint sich fortwährend der Sprache entziehen, der allzu deutlichen Zuordnung und Benennung widersetzen zu wollen. „Der Geruch der Welt“ (Anm. so der Titel von Paul Divjaks 2016 erschienenen Buches) ist ein immer noch unerforschtes Terrain, dem ein großer Zauber innewohnt. – Wir können mit ihm in Resonanz gehen, wie mit den Worten eines Gedichts.

Früher war die Rolle von Parfüm eine stärkere. Warum nutzt Du Parfüm?

Die Muße des Riechens, die Entwicklung, das Verströmen- und Verstreichenlassen eines Duftes, die Wahrnehmung seiner Entfaltung in der Zeit, seine Verschränkung mit persönlichem Erleben: das begeistert mich. Düfte sind wie Tagebücher, wie olfaktorische Briefe an die Liebsten, an Freunde, Mitmenschen, Zeitgenossen. Randvoll mit persönlicher Geschichte erzählen sie von Sehnsüchten, Begierden und Hoffnungen, in ihnen kommen Selbstdarstellung und Persönlichkeitsinszenierungen zum Ausdruck. Ihre Form, ihr Stil, ihr Geist spiegeln die Zeichen der Zeit.

Was Nietzsche einst für Auge und Ohr feststellte, gilt heute noch, und das in hohem Maße auch für unsere Nasen: in der Hast des Alltags geht das Gefühl für die Form selber verloren, für die Melodie der Bewegungen der Moleküle.

Was macht für Dich einen herausragenden Duft aus?

In „Der parfümierte Mann“ spreche ich von „wohlkomponierten Düften“. Ein „wohlkomponierter Duft“ ist als olfaktorisches Accessoire feinsinniger Ausdruck von Stil. Er kommuniziert mit und über die Haut. Ein „wohlkomponierter Duft“ ist ausdruckgewordene Manifestation eines Phänomens, das vor dem Hintergrund jahrtausendealter Geschichte in unterschiedlichen Kulturen dazu einlädt, es immer wieder neu und noch reicher und vielschichtiger zu erfahren.

Wie gehst Du bei der Komposition von neuen Düften vor?

Zumeist gibt es ein Thema, das der Duftkreation zugrunde liegt. Was mir hilft und maßgeblich in die Entwicklung einer neuen Komposition mit einfließt, sind assoziative Erinnerungen an olfaktorische Erfahrungsmomente. Von der Idee bis zur Manifestation und zum Marktauftritt braucht es dann im Allgemeinen viel Geduld. – Ein Duft braucht Zeit, um zu reifen.

c-divjak-parfuemiert-cover-webFür die Saint Charles Apotheke hast Du das Duftelixier „Soul Splash“ komponiert.
Was siehst Du als Besonderheit bei „Soul Splash“?

Ich freue mich über den Erfolg von „Soul Splash“, das begeisterte Feedback, das unsere Intention bestätigt: „Soul Splash“ ist zum vielseitigen, vitalisierenden Duft-Begleiter und „persönlichen Asset“ im Alltag geworden. Seine Besonderheit liegt laut der vielen StammkundInnen, in der gelungenen Kombination aus frischer Leichtigkeit und geballter, vitalisierender Wirkkraft der ausgewählten, im Bouquet zusammengeführten, natürlichen Inhaltsstoffe.

Zum Schluss: Hast Du einen Tipp, wie der Duft von Parfüm länger hält?

Ich schätze Duftnarrationen, die sich auf der Haut unterschiedlich entfalten und mit der Eigenheit wie der Flüchtigkeit der Moleküle spielen und halte es da ganz mit der in südlichen Ländern bevorzugten Splash-Kultur: Frische und Leichtigkeit im Jetzt. – Lieber über den Tag verteilt: ein, zwei erfrischende Sprühstöße genießen, statt stundenlanger, schwerer Anhaftung.

Das Sachbuch „Der parfümierte Mann“ (Edition Atelier) ist ab sofort in der Saint Charles Apotheke, sowie im Onlineshop der Saint Charles Apothecary erhältlich.