Vor einem Jahr, am fünften Dezember 2017, startete Martina Hörlein mit „grains“ als neue Betreiberin der Saint Charles Alimentary in der Gumpendorfer Straße 33.  Von Montag bis Freitag gibt es hier warmes, wohltuendes Frühstück sowie frisches, regionales Mittagessen, selbstgebackene Kuchen und kleine Energie-Happen für Zwischendurch. Immer vegan, mit glutenfreien Varianten und mit viel Liebe gekocht.

Wir gratulieren Martina ganz herzlich zum ersten Jubiläum und wollen gemeinsam ein wenig hinter die Kulissen und die Erfahrungen des ersten Jahres blicken. Es geht um einen spannenden Werdegang, eine außergewöhnliche Frau und einiges mehr:

Martina, als wir uns kennengelernt haben, warst du noch in der Filmbranche tätig. Also in einem völlig anderem Bereich. Wann und wie kam es zu der Idee von grains?

Ich war viele Jahre mit Leidenschaft beim Film, habe aber nach einiger Zeit festgestellt, dass ich in diesem Job nicht alt werde. Denn es hatte wenig mit Dingen zu tun, die mir wichtig waren: ein gesunder Lebensstil, Bewegung und vor allem eine entsprechende Ernährung. Die Frage war nur immer, wie ich diese Interessen für mein Berufsleben nutzen könnte. Der entscheidende Wendepunkt kam während eines Drehs in Graz. Mein Kollege und ich saßen wieder einmal zusammen und träumten gemeinsam von neuen Wegen. Diese Gespräche gab es wohl öfters, aber diesmal war es anders. Die bildliche Vorstellung von einem eigenen Frühstückslokal wurde während der langen Unterhaltung immer konkreter, die damit verbundenen Gefühle so positiv. Da wurde für mich klar, dass ich diese Idee unbedingt verfolgen musste. Ich entwickelte einen Businessplan und wurde damit konkreter. Relativ rasch ergab sich dann zunächst eine Zusammenarbeit mit Rita Hofmeister für ein gemeinsames Yoga & Frühstück-Projekt. Gleichzeitig startete ich mit der Suche nach einer geeigneten Location, die sich allerdings als mühsam herausstellte. Ich musste mir eingestehen, dass meine Versuche zur Realisierung meines Traumes insgesamt einfach zu verbissen und verkrampft waren. Das fand ich plötzlich völlig falsch. Ich dachte, dass „es“ einfach auf mich zukommen muss. Und so war es dann auch mit Saint Charles.

Wir bewundern deinen Mut! Hattest du schlaflose Nächte?

Eigentlich nur in den zwei Wochen vor der Eröffnung. Denn der Zeitrahmen war wirklich knapp bemessen und ich wollte gut vorbereitet starten. Ich hatte dann also weniger schlaflose Nächte wegen der Angst vor dem Neuen, sondern wegen einer Vielzahl von Gedanken und notwendigen Erledigungen, die mir durch den Kopf gingen. In der Sache selbst war ich mir sicher.

Wie war dein Start in ein neues Berufsleben?

Ich denke, ich hatte wirklich Glück. Es hat einfach alles zusammengepasst – auch mit allen beteiligten Menschen, – vor allem meinen Gästen vom ersten Tag an. Und das Gefühl, in meinem eigenen Lokal zu stehen, war ein Traum. Ich war sehr berührt. Rückblickend muss ich sagen, dass Veränderung etwas Wunderbares ist und wir oft nicht so lange damit warten und zögern sollten.

Hast du deine Entscheidung jemals bereut? Ganz ehrlich?

Nein. (spontan und mit einem Lächeln gesprochen)

Was treibt dich jeden Tag an? Wie motivierst du dich, in einen doch anstrengenden Tag zu starten?

Ich mache es einfach gern! Und ich bekomme viel zurück. Der Gedanke, Menschen etwas Gutes zu tun, sie neue Lebensmittel kennenlernen zu lassen ist ein großer Motivator für mich. Zudem liebe ich es, nicht fremdgesteuert zu sein, – alles, was ich tue, ist einfach meines. Grains – das bin ich!

Du siehst täglich viele Gesichter, hörst Geschichten von deinen Gästen. Was bewegt dich?

Ich lerne täglich so viele großartige Frauen kennen und ihre Geschichten beschäftigen mich. In der Filmbranche war ich ja eher in einer Männerdomäne unterwegs. Wir Frauen sind generell zu streng mit uns – haben immer ein wenig das Gefühl, wirklich leisten und kämpfen zu müssen, um gesehen zu werden. Und wir sind zu kritisch uns gegenüber. Ich sehe mich da mittendrin.

Was wünscht du dir und grains für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich mir diesen Zugang zu neuen Dingen bewahre. Egal in welche Richtung es mich lenken wird. Diese Erfahrung ist unglaublich bereichert für mich, abgesehen von der Eröffnung des Lokals. Ich möchte mutig und offen bleiben. Für grains wünsche ich mir natürlich, dass es sich weiterentwickelt und irgendwann wächst, wenn die Zeit dafür reif ist. Wie und wann wird man sehen. Der richtige Zeitpunkt wird kommen 😉

Wir danken dir für das Interview, Martina!

Credits: Foto von Martina izasphotocorner, Lokal gabrielepaar